Die Stellungnahme eines Biologen

Von Prof. Dr. Friedrich Leibenguth

 

„Die Lektüre Ihres neuen Buches fesselte mich derart, dass die Weiterarbeit an meinem eigenen Projekt vorübergehend zum Erliegen kam. Zu der klaren Sprache sind Sie nur zu beglückwünschen, und Ihre Sichtung der ungeheuren Materialfülle dürfte selbst Fachleuten Respekt abverlangen. Mit Recht legen Sie den Finger in die Wunden vieler ungelöster Rätsel der Evolutionsbiologie. Sie betreffen wohl meist die Transspezifische Evolution, für die schon Bernhard Rensch (in „Neuere Probleme der Abstammungslehre“, Enke 1954, und „Das universale Weltbild“, Fischer Tb. 1977) die Diskrepanz an Hand der Kapitel „Richtungslosigkeit transspezifischer Evolution“ und „Regeln der transspezifischen Konstruktionsänderungen“ aufzeigte. Auch mir bereiten die sog. kambrische Explosion und das Auftauchen „fertiger“ Vögel und Säuger Unbehagen, und ich schließe mich der Meinung an, statt von Stammbäumen von wurzellosen Stammbüschen zu sprechen. Ob Mosaiktypen Übergangsformen darstellen oder nicht, wage ich nicht zu entscheiden; vielleicht provozieren sie geradezu eine Art Baukasten mit Modulen, die (zunächst) ad libitum kombinierbar sein könnten. Den (epi-?)genetischen Mechanismus zu erhellen, dürfte eine spannende Zukunftsaufgabe sein. Bleiben wir also offen für Alternativmodelle!“

(Schreiben vom 25.11.2007)

Friedrich Leibenguth studierte Biologie in Bonn und Tübingen. 1973 erhielt er den Ruf auf eine Professur für Genetik an die Universität Saarbrücken. Seine Lehrtätigkeit umfasste Veranstaltungen über Biochemische Genetik, Cytodiagnostik, Evolutionsgenetik, Humangenetik und Züchtungsgenetik. Seit Oktober 2000 befindet er sich im Ruhestand. Friedrich Leibenguth ist Autor der Bücher „Züchtungsgenetik“ (Georg Thieme Verlag 1982) sowie „Reiseskizzen aus Malaya. Evolution in den Tropen“ (Verlag Karl Heinrich Bock 2006) und „Reiseskizzen aus der Wüste – Algerien, Libyen, Iran“ (Verlag Karl Heinrich Bock 2009).