Die wissenschaftstheoretische Konsequenz

 

In Anbetracht der vorliegenden Befunde naturwissenschaftlichen Forschens ergeben sich bei der biologischen Betrachtung der Lebensgeschichte zumindest zwei Grundpositionen.
Evolutionisten können den Standpunkt vertreten: „Die bisherigen Forschungen naturwissenschaftlicher Disziplinen haben eine Fülle neuer Daten geliefert, die Erhellendes und Faszinierendes zur Geschichte der Lebewesen bekunden. Mit jedem Schritt, der nach vorne gemacht wurde, sind aber auch neue Probleme aufgetreten. Wo wir der Ansicht waren, auf festem Boden zu stehen, ist noch vieles ungewiss. Die heutigen Erklärungsdefizite der Evolutionsbiologie sind immens und ernüchternd. Doch die Bemühungen zukünftiger Generationen, passende Fossilfunde und neue naturwissenschaftliche Erklärungen werden irgendwann die Korrektheit der Evolutionstheorie belegen. Alternative Modelle sind es prinzipiell nicht wert, zur Kenntnis genommen und ernsthaft diskutiert zu werden. Bei der biologischen Betrachtung der Lebensgeschichte haben nur evolutionsbiologische Konzepte eine Daseinsberechtigung.“
Wer von der evolutionistischen Position nicht überzeugt ist, kann argumentieren: „Die Evolutionstheorie und die bisher publizierten Kausalen Evolutionstheorien sind durch empirische Befunde und naturwissenschaftliche Argumente noch völlig unzureichend belegt. Ein sachlich begründeter Zwang zu evolutionsbiologischem Denken besteht daher nicht. In Anbetracht der vorliegenden Forschungsergebnisse und der heutigen Erklärungsprobleme der Evolutionsbiologie haben auch nichtevolutive naturwissenschaftliche Modelle eine Daseinsberechtigung in der Biologie. Wissenschaftliches Erkennen ist konstruktiv, wenn die vorliegenden Theorien, Gesetze, Regeln, Lehrmeinungen und Hypothesen ständig überprüft werden und auf dogmatische Letztbegründungen verzichtet wird. Die strengste und fruchtbarste Kritik von Positionen zu historischen Geschehen, die nicht durch Augenzeugen exakt protokolliert sind, basiert auf einem oder einigen gleichwertigen Alternativkonzepten.
Experten der Biologie werden zu Ideologen, wenn sie für die naturwissenschaftliche Erklärung und Deutung der Fossilüberlieferung nur evolutionsbiologische Modelle zulassen, kritische Argumente ignorieren und die Evolution der Lebewesen als eine Tatsache oder als etwas Bewiesenes ausgeben. Wahrheitsliebende und tolerante Personen respektieren die Freiheit des Forschens und trauen auch Andersdenkenden Einsichten in komplizierte Zusammenhänge zu.
Angesichts der naturwissenschaftlichen Befunde zur Lebensgeschichte sollte erneut über die Thematik nachgedacht und unter Experten ernsthaft diskutiert werden. Ein konstruktiver Neuanfang ist dringend vonnöten.“
Wie kann ein Neubeginn bei der biologischen Betrachtung der Lebensgeschichte aussehen?
Ein unverbindlicher Vorschlag lautet: Unvoreingenommene, dialogbereite und tolerante Experten der Geologie, Paläontologie, Chemie und Biologie können im gewaltfreien Diskurs ein konsensfähiges Grundmodell der Lebensgeschichte erarbeiten, das die evidenten Forschungsergebnisse wie beispielsweise die globale Anordnung der Fossilien sowie das genetische und epigenetische Veränderungspotenzial beim Artenwandel deutungsfrei zusammenfasst.
Sodann können auf übergeordneter Betrachtungsebene diverse Zusatzerklärungen und Deutungsansätze auf empirischer Grundlage zur kritischen Diskussion gestellt und von Experten beurteilt werden. Zahlreiche Veröffentlichungen liegen dazu bereits vor.
In dem Buch „Irrtum Evolution“ (2010) wird eine neue biologische Betrachtung der Lebensgeschichte vorgestellt. Sie basiert auf empirischen Daten und vereinigt naturwissenschaftliche Erklärungen und Deutungen. Das neue Modell gilt vorläufig und ist erweiter-, modifizier- und falsifizierbar.